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24.02.2021 22:44 Uhr - Autor: Andreas Kronlachner

Der neue Sportdirektor im Interview

Das Präsidium des Österreichischen Pool Billard Verbandes hat in einer Sitzung am 2. Februar 2021 sein Vertrauen an Markus Pfistermüller als neuen Sportdirektor ausgesprochen. Der junge Sportbegeisterte löst damit ÖBU- und ÖPBV-Präsidenten Norbert Engel in dieser Funktion ab, der die Rolle im November 2019 interimistisch übernommen hatte.

In einer Bekanntgabe auf der Homepage des ÖPBV gibt sich Norbert Engel von den Fähigkeiten und Qualitäten seines Nachfolgers überzeugt und bezeichnet den Oberösterreicher als  “offenen, zielstrebigen, einfühlsamen und kommunikativen Menschen”, der die Anforderungen, die zur Gestaltung des Billardsports notwendig sind, in besonderem Ausmaß erfüllt.

Pfistermüller ist damit ranghöchster Sport-Funktionär des Mitgliederstärksten Spartenfachverbandes in der Österreichischen Billardunion. In einem Interview erzählt der 24-Jährige über seinen bisherigen Werdegang und schildert seine Pläne für die absehbare Zukunft des Poolbillards. 


Ehemalige Nummer 1 im Snooker
“Ich habe 2007 beim 1.UWBC (1. Union Wels Billard Club) mit Snooker begonnen. Mein erster Trainer war Günther Eckhart. Nach einigen Nachwuchstiteln habe ich auch in der Allgemeinen Klasse gut Fuß gefasst, dort neben Teilnahmen bei EMs und WMs auch einige nationale Grand Prix Siege gelandet und es 2014 bis zur Nummer 1 in der nationalen Rangliste geschafft. Ein Einzelstaatsmeistertitel war mir aber nicht vergönnt. Dafür habe ich zweimal im Doppel zugeschlagen.”

Markus Pfistermüller bei der ÖSTM Snooker 2018 in Graz - Foto (c) ÖBU/Andreas Kronlachner

Auch privat besitzt der Billard-Enthusiast einen Snookertisch. „Hin und wieder spiele ich auch noch darauf. Der Fokus hat sich rückblickend aber seit 2018 mehr und mehr auf Pool verlagert. Ich war damals aufgrund meines Studiums gezwungen meine hohe Trainingsintensität im Snooker zurückzufahren und das hat dann auch dazu geführt, dass ich meinen Level einfach nicht mehr weiterentwickeln bzw. halten konnte. Da hat dann auch die Freude am Spiel nachgelassen“.

„In dieser Zeit hat mich mein Freund Patrick Kiesl angesprochen, ob ich nicht einmal Lust hätte, bei Ihnen in der Pool Landesliga Mannschaft mitzumachen. Ich habe ihm zugesagt und der Rest ist dann ganz von alleine gekommen. Ich habe viele neue Leute kennengelernt, neue Freundschaften sind entstanden  und der Spaß und die Freude sind wieder zurückgekommen, nun aber eben beim Pool-Billard.“


Grand Prix Sieger

Auch in dieser Billard-Sparte hat Pfistermüller bereits sein sportliches Können bewiesen. Neben guten Leistungen für sein Team PBC Neonovus Wels glänzte er vor allem beim 10er-Ball Austrian Circuit Event in Villach Anfang März 2020, bei dem er im Finale 10er-Ball Vize-Staatsmeister Thomas Spiß bezwang und seinen ersten Grand Prix Erfolg erzielte. Zu diesem Zeitpunkt war Pfistermüller bereits als Vize-Präsident des ÖPBV kooptiert.

Markus Pfistermüller beim 10-Ball Grand Prix in Villach Anfang März 2020 - Foto (c) Nicolas Pichler

„Ich habe Norbert Engel bereits seit Jahren gekannt. Als Snooker Spieler habe ich regelmäßig bei den 3-Kings Open in seinem Lokal in Rankweil teilgenommen. Es ist da eine sehr innige Freundschaft entstanden. Wir haben uns bei diesen Gelegenheiten auch über die Zukunft des Billards - aber damals vor allem des Snooker Sports ausgetauscht, was wir gut finden und natürlich auch was wir anders machen würden“.

„Wie ich dann mit Pool begonnen habe, hat er mich für mein Empfinden mehr aus Spaß heraus gefragt, ob ich nicht auch einmal in einer Funktionärsfunktion mitwirken möchte und ich habe das auch mit einer spaßigen Antwort kommentiert. Dann ist aber eines Tages sein Anruf gekommen mit dem konkreten Angebot als 2. Vizepräsident gemeinsam mit ihm und dem Team des ÖPBV die Zukunft des Pool-Billard mitzugestalten“.

„Ich war dann selbst doch einigermaßen überrascht und habe mir auch einige Tage Bedenkzeit erbeten, in der ich mit ihm dann noch einige Male telefoniert habe. In dieser Zeit ist dann die Entscheidung in mir gereift, hier mit ihm und dem Präsidium diese Aufgabe anzugehen“.

„In den letzten Monaten unserer Zusammenarbeit hat sich dann aber immer mehr herauskristallisiert, dass ich in die Richtung eines Sportdirektors und für die Spieler denke. Auch mein Zukunftsbild von unserem Sport hat sehr gut in diese Rolle hineingepasst. Das hat sich dann auch in einem Gespräch mit Norbert und Mike (Anm.: Michael Neumann – Koordinator der ÖPBV Geschäftsstelle) ergeben. Wir haben uns dann noch einige Tage Zeit gegeben uns das zu überlegen und jetzt, Anfang Februar ist dann die Entscheidung gefallen“.


Hauptaufgabengebiet Spitzensport  
„Meine wichtigste Aufgabe ist die Koordination der einzelnen Referenten (Anm.: Jugend, Damen, Senioren, Wheelchair) und hier vor allem sie zu stärken, zu fordern und zu fördern und ihnen Gestaltungsfreiheit in ihren Ressorts zu ermöglichen. Aktuell sehe ich mich zusätzlich auch als Spartenleiter für den Spitzensport bei den Herren“.

Auf die Frage der zukünftigen Kader-Betreuung offenbart Pfistermüller einen sehr offenen Ansatz.
„Wie wir hier vorgehen werden, mit der Kadereinteilung und mit dem Thema Nationaltrainer, möchte ich zunächst mit den betroffenen SpielerInnen diskutieren. Ich möchte hier so weit wie möglich auf entsprechende individuelle Wünsche eingehen“.

„Ob es dann einen gemeinsamen Nationaltrainer gibt oder ein Modell mit individueller Betreuung, das wird man sehen. Es soll auf alle Fälle ein rundes Gesamtpaket für unsere Top-SportlerInnen werden, wo vor allem die persönliche Beziehung zwischen SportlerInnen und Trainern ein ganz wichtiger Faktor sein wird“.

Im Gegenzug wünscht sich der Oberösterreicher von der Elite natürlich Top-Leistungen, aber auch die Teilnahme an den Top-Veranstaltungen des ÖPBV, also den Staatsmeisterschaften und auch den nationalen Grand Prix Events.

„Mir ist bekannt, dass unsere internationalen Top Stars in der Vergangenheit immer eher selten an unseren ÖPBV Events teilgenommen haben und ich möchte hier mit ihnen auch über die Gründe dafür sprechen. Eine der Hauptaufgaben des ÖPBV ist die Förderung und Unterstützung unserer SportlerInnen und diese Förderung hat auch einen Beitrag dazu geleistet, dass unsere Besten es aus der Breite bis nach ganz oben geschafft haben“.

„Wir sehen seit Jahren im ÖPBV stagnierende Mitgliederzahlen und Ziel muss natürlich sein diesen Trend zu stoppen und so schnell wie möglich in eine Steigerung umzudrehen. Die Teilnahme an unseren Turnieren durch unsere Top-Stars könnte hier eine enorme Unterstützung sein um das öffentliche Interesse zu wecken".


Für Wiederaufnahme des Turnier-und Ligabetriebs muss Fairness gegeben sein!
In einer Konferenz zwischen ÖPBV und den Landesverbänden wurde Anfang Juni 2020 die komplette Einstellung des bundesweiten Sportbetriebs beschlossen, bis zu dem Zeitpunkt, wo wieder ein normaler, fairer Spielbetrieb aufgenommen werden kann.

In einem ÖPBV Newsletter Anfang November 2020 wurde April 2021 als „worst case“ Szenario für diesen Neustart genannt, wobei eine Voraussage inwieweit dann „Fairness“ garantiert werden kann, nicht getroffen werden konnte. Die aktuellen Entwicklungen bringen nun laut Pfistermüller leider auch dieses "worst case” ins Wanken.

„Wir haben intern sehr viele Stunden über dieses Thema diskutiert, vor allem auch vor den Hintergrund, dass andere Sportarten bereits wieder durchgeführt werden. Wir sind dabei immer auf eine Frage zurückgekommen – welche Verantwortung trägt der ÖPBV. Die Antwort darauf war: Die Ermöglichung eines sportlich fairen Spielbetriebs“, berichtet Pfistermüller über die intensiven Präsidiumsgespräche.

„Wenn ich mir jetzt aktuell die Situation ansehe, dass die Ausreise aus bestimmten Gebieten an zahlreiche Maßnahmen gebunden ist, ist ein sportlich fairer Spielbetrieb nur schwierig zu gestalten. Außerdem gibt es viele Menschen, die Angst vor dem Virus haben und sich nicht anstecken wollen. Wir wollen daher diesen Zwiespalt zwischen Selbstschutz und Loyalität gegenüber den MannschaftskollegInnen so gering wie möglich halten“.

„Wir hoffen aber natürlich auch darauf, dass die Leute wieder spielen wollen. Ich bin selbst Spieler in der Bundesliga, kann aus dieser Sicht die Wiederaufnahme des Spielbetriebs kaum noch erwarten und freue ich mich natürlich wenn die Türen wieder aufgehen und wir wieder spielen können!"

"Als Funktionär sehe ich das aber wie gesagt als eher schwierig. Wir haben die Pflicht, die Eindämmung der Pandemie so gut wie möglich zu unterstützen. Wir werden aber im gesetzlichen Rahmen natürlich auch nach gangbaren Möglichkeiten suchen, den Sportbetrieb so bald wie möglich wieder anlaufen zu lassen“ erklärt Pfistermüller.


Doping Prävention im Fokus
Zum Thema Anti-Doping hat sich der neue Sportdirektor bereits bei der NADA Videokonferenz zur Vorstellung des neuen Anti-Doping Bundesgesetz 2021 auf den aktuellsten Stand gebracht. Befragt nach der für ihn wichtigsten Neuerung verweist Pfistermüller auf den „International Standard for Education“, der in Österreich die Doping-Präventionsarbeit neu regeln wird. Dieser soll die Möglichkeit bieten die Sensibilisierung dieses Themas in der Breite zu fördern.

„Ich selbst habe die Online-Schulung zur Lizenz für Sportlerinnen und Sportler bereits gemacht und bin vom interaktiven Aufbau dieser Schulung positiv beeindruckt. Diese Online-Schulung stellt eine tolle Möglichkeit dar, um das Thema Doping-Prävention weiter auszubauen. Den Kampf gegen Doping habe ich in meiner Agenda klar positioniert. Von meiner Seite gibt es hier eine absolute Null-Toleranz Grenze“, sagt Pfistermüller.


Strategie “One Billard“ – eine große Möglichkeit für den Billardsport in Österreich 
Betreffend der Einbindung in die von ÖBU und ÖPBV Präsident Norbert Engel beim ÖBU Bundestag 2019 angekündigte „One Billard“ Initiative äußert sich Pfistermüller eher zurückhaltend aber zuversichtlich.

„Mein aktueller Fokus liegt in der Koordination im Pool-Billard Verband. Wir haben dort eine große Chance die Entwicklungen in eine neue, positive Zukunft zu steuern. Die Initiative “One Billard” stellt mittel- und langfristig ein enormes Potential für den Billardsport in Österreich dar. Unsere drei Sparten weisen viele Gemeinsamkeiten auf und es liegt an uns Allen aus diesen Gemeinsamkeiten Synergien zu entwickeln, um uns alle voneinander profitieren zu lassen“.

„Die Abhaltung gemeinsamer Veranstaltungen würde mich in diesem Zusammenhang persönlich sehr freuen. Eine gemeinsame Austragung einer gesamten Billard-Staatsmeisterschaft wäre dabei beispielsweise ein sehr starkes Zeichen“.